Humor bei ernsten Themen?
Humor ist für mich immer wichtig gewesen. Auch bei ernsten Themen.
Humor nimmt einem Thema nicht seine Bedeutung. Er schafft Abstand und macht es leichter, genauer hinzusehen. Für mich ist Humor kein Verharmlosen. Wenn man über etwas lachen kann, verliert es ein bisschen von dieser Schwere. Genau das kann helfen, besser damit umzugehen.
Humor schließt Ernsthaftigkeit nicht aus. Er ist für mich ein Zugang. Kein Mittel, um Ängste und Zweifel kleinzumachen, sondern um überhaupt über sie sprechen zu können.
Mir ging es darum, das Thema zugänglicher zu machen. Genau das wollte ich im Roman nutzen. Das Buch ist Literatur, keine Therapie. Es soll Gefühle verständlich machen, nicht erklären. Es lädt zur Selbstbeobachtung ein, nicht zur Selbstdiagnose.
Ich kenne das Thema nicht nur theoretisch. Wie viel davon in “Der Hase des Unheils” autobiografisch ist, lasse ich bewusst offen. Zudem kenne Menschen, die betroffen sind. Gerade deshalb gehe ich respektvoll damit um.
Rückmeldungen zeigen, dass sich Menschen erkannt fühlen. Gerade weil die Geschichte nicht trocken oder belehrend erzählt ist. Und ich kenne auch Menschen, die ihrer Angst einen Namen geben. Das habe ich hier genutzt, um die inneren Übertreibungen, die Ängste und Zweifel haben können, sichtbar zu machen. Angst ist kein Feind von außen. Sie ist ein fehlkalibrierter Schutzmechanismus.
Humor kann entlasten, verbinden und Abstand schaffen. Er kann aber auch verletzen, wenn er Ängste oder Unsicherheiten kleinredet oder Menschen lächerlich macht. „Der Hase des Unheils“ versucht deshalb einen anderen Weg: nicht über Betroffene zu lachen, sondern gemeinsam mit ihnen über die Absurditäten der Angst. Die Gefühle bleiben dabei ernst genommen, auch wenn die Situationen manchmal komisch wirken.
Teilen


